yksflip

Sep 02, 2021

Von Lübeck nach Basel

Neues Jahr neues Glück, oder so. Auf jedenfall will ich nun nach Italien. Obwohl ich neben Jobs, Projekten und Dingen keinen Kopf hatte groß Pläne für meine Reise zu machen, habe ich es doch geschafft mir bereits vor einer Woche einen Nightjet von Hamburg nach Basel zu buchen. Von dort soll es weiter mit dem Bus nach Mailand. Danach irgendwo wwoofen. Danach Segeln.
Aber wie das im Leben so ist, je konkreter ein Plan, desto wahrscheinlicher wird es anders laufen. Ein Streik der Deutschen Bahn Gewerkschaft lässt schon den ersten Abschnitt dieser Reise zu einem kleinen Abenteuer werden.

Am Tag meiner Abreise packe ich Nachmittags meinen Rucksack und freue mich schon ein wenig vor. Um den GDL Streik habe ich mir noch keine Sorgen gemacht, denn der Zug wird ja von der ÖBB betrieben. Oder? Ich schaue doch nochmal nach und siehe da: Zug entfällt ersatzlos.
Eine nette Dame an der Hotline empfiehlt mir den ICE209 zwei Stunden früher, aber immerhin auch direkt HH - Basel. Also greife ich wild Dinge links und rechts von mir und stopfe sie in den Rucksack. Damit ich noch rechtzeitig die Bahn HL - HH erwische, schwing ich mich samt Backpack aufs Rad und Düse zum Bahnhof. In Hamburg angekommen lässt die allgemeine Verwirrung und eine lange Schlange am DB Info Schalter bereits auf den morgigen Streik hindeuten. Der Zug nach Basel sollte in zehn Minuten fahren, aber steht immer noch nicht an der Tafel. Also Reihe ich mich in die Schlange vorm Schalter. Erstaunlicher weise geht es zügig vorwärts und schon kurze Zeit später fragt jemand vor mir genau das gleiche: "Äh ich will nach Basel, wie?". Im selben Moment in dem der DB Abgestellte antworten möchte, ploppt der Zug auf der Anzeigetafel aus dem nichts auf und wir beide begeben uns zum Gleis 12. Unnötiger weise haben wir uns beeilt, denn natürlich kommt der Zug mit Verspätung an.

Da stehen also Laura und ich am Bahnsteig und unterhalten uns gegen die lärmende Geräuschkulisse. Innerlich bin ich bereits super erleichtert, sowohl einen Ersatzzug, als auch eine Reisebegleitung mit dem gleichen Ziel gefunden zu haben. Wir verstehen uns von Anfang an super gut und tauschen unsere Reise Pläne aus, zwischendurch immer mal wieder ein Blick auf die Anzeige.
Tatsächlich fährt dann auch ein ICE ein. Es herrscht allgemeine Verwirrung, ist das der Zug nach Basel, Kiel oder Koblenz? Wir sind uns sicher dass es der Zug nach Basel ist und steigen ein. Wir finden direkt ein freies Abteil, als über die Lautsprecher ertönt: "Das ist der ICE 209 nach Basel, wir fahren heute aber nur bis nach Frankfurt am Main"

Hmpf.

"Nächster halt Hamburg Harburg."
Laura fragt die Schaffnerin, ob es besser wäre eine andere Verbindung mit Umstieg in Karlsruhe zu nehmen. Dem ist nicht so, der Zug in den man umsteigen würde, ist der in dem wir bereits sitzen.
Dann bei der Ticket Kontrolle murmelt die Schaffnerin: "Mhhja Nightjet nach Basel ... inklusive Frühstück - das wird wohl nix, wir fahren nur bis Frankfurt Main.". "Ja hoffentlich krieg ich da auch mein Frühstück", sage ich. "In Frankfurt am Bahnhof kriegen sie alles", scherzte sie. Nun, da bleibt erstmal nichts anderes übrig als das Schicksal zu akzeptieren und sich weiter zu unterhalten.

Es folgen mehr Verspätungen wegen Gründen und die Durchsagen werden von mal zu mal frustrierter. In Münster legen wir wegen eines Fehlers in der Personalplanung zwangsweise eine halbe Stunde Pause ein. "Ohne Pause geht hier sonst schon mal so gar nichts mehr". Wir können drüber lachen und nehmen es gelassen, wir wissen eh noch nicht wo wir hin wollen. Die nächste potentielle noch nicht entfallene Verbindung nach Basel mit Wechsel in Straßburg wäre eh erst gegen 7 Uhr.
In Köln machen wir uns etwas sorgen ums Zugpersonal - "Bitte schreien sie uns nicht an, wir sind nur die Boten von dem ganzen hier und können nichts dafür", ertönt es aus dem Lautsprecher. In Bonn noch ein freundlicher Hinweis, In Köln Zugestiegene können ja auch mit dem RE zurück nach Köln und morgen nochmal ihr Glück versuchen.

Wir glauben nicht mehr dran mit der Bahn aus Frankfurt weiter zu kommen und buchen uns Tickets für einen Flixbus, der um 3:30 Uhr von Frankfurt nach Basel fährt.

Wirklich gut schlafen konnte ich nicht bei den Stationsansagen in ohrenbetäubender Lautstärke, aber recht gelassen kommen wir mit ordentlich Verspätung passend zu unserem Flixbus in Frankfurt an. Der Zug entleert sich und reiht sich vor dem DB Informationsschalter ein. Froh über unsere Entscheidung, machen wir uns auf die Suche nach dem richtigen Bus Steig. Ausgestattet mit Snacks vom Späti setzen wir uns in den vollen Bus und versuchen zu schlafen. Die Fahrt verläuft vergleichsweise Reibungslos.
Müde und matschig, aber sehr glücklich erreichen wir nach gut 16h Fahrt und nem Full-House im DB-Bingo endlich Basel.

Zu Fuß gehts in Basels wunderschöne Altstadt. Ein Kaffee beim Bäcker mit live Musik am Andreasplatz sorgt direkt fürs Urlaubsfeeling. Wir laufen noch etwas am Rhein entlang und wieder Richtung Bahnhof. Denn für Laura geht es direkt über Mailand weiter nach Florenz.
Mit so einer netten Reisebegleitung war das DB Abenteuer echt nur halb so wild.

Ich habe geplant noch eine Nacht in Basel zu bleiben und laufe zu meinem Hostel. Vorher entspanne mich erstmal noch etwas in einem Park. Dabei denke ich mir, was was für ein aufregender Start für eine Reise.
Mein Hostel ist Teil des Fabrikareals Gundelinger Feld das heute aus Bistro, Kindergarten, Kletterhalle, Theater, Brauerei und viel mehr besteht. Sehr cooles Ding und eine schöne Ecke! Nach einem kurzen Check-In, laufe ich wieder planlos Richtung Rhein und erkunde Grossbasels Altstadt. Nach nem kurzen Snack fahre ich etwas mit der Tram raus und gönn mir noch eine Pause im Wald. Ich merke wie voll mit Eindrücken und Erlebnissen ich jetzt schon bin.

Abends entspanne ich bei einem Bier am Rhein und lasse das bisher Geschehene auf mich wirken. Dabei beobachte ein Konzert auf dem Wasser, das aber leider so garnicht meinem Musikgeschmack entspricht.

Am nächsten Morgen packe ich meine Sachen und gehe zur Bushaltestelle. Auch wenn die Busfahrer nur italienisch sprechen, weiß man trotzdem was sie wollen: Ticket, Personalausweis, Einreisedingsbums, Green Pass.
Ein kurzer Blick auf die Unterlagen genügt und ich bin im Bus nach Mailand.

Auf nach Italien!